Kinesiologie - ein Einblick
„Über Kinesiologie kann man in zwei Minuten das Allerwichtigste sagen, man kann sie in zwei Stunden im Überblick
erklären, in zwei Tagen kann man recht gut die grundsätzlichen Prinzipien bis zur einfachen Anwendung vermitteln,
zwei Wochen braucht es, um die Grundlagen der Methode zu erfassen oder in die wesentlichen Richtungen der
Kinesiologie hineinzuschnuppern und Jahre dürfte es brauchen, um mit ihr kreativ oder gar virtuos zu jonglieren.“
*Dr. med. Christa Keding, Ärztin und erfahrene Kinesiologie-Anwenderin aus Hamburg*

Die knappste Kurzformel für neugierige Neulinge:
Das zentrale Arbeitsinstrument in der Kinesiologie ist eine Prüfung von Muskelreaktionen, um Auswirkungen
unterschiedlichster Reize auf einen Menschen (oder ein anderes Wesen) nachzuweisen.
So einfach sich das Wort „Kinesiologie“ übersetzen lässt, so wenig kann man aus dem Namen allein herleiten,
was sie ausmacht.
Kinesiologie kommt aus dem Griechischen und setzt sich zusammen aus „kinesis“ = Bewegung und „logos“ = Lehre,
heisst also eigentlich Bewegungslehre. Was fälschlicherweise an eine Sporttechnik denken lässt, ist allerdings
nicht gemeint. Stattdessen ist Kinesiologie ein Phänomen, im wörtlichen wie im übertragenen Sinne.
Ein Teil dieses Phänomens ist auch die Annahme, dass der sichtbare Körper eines Menschen von feinstofflichen
(„energetischen“) Körpern umgeben bzw. durchdrungen ist, und dass sich diese „Lebensenergie“
(Qi) in ihrer Quantität und Qualität beeinflussen lässt. Ein ausgeglichener Energiehaushalt ist nach der
kinesiologischen Lehre die beste Garantie dafür, gesund und leistungsfähig zu bleiben.
Einen anderen Teil dieses Phänomens, nämlich den Muskeltest als körpereigenes Feed-Back-Instrument benutzten
schon die Sumerer und Maya, um die Bekömmlichkeit von Trinkwasser zu testen, und Hippokrates nutzte ihn vor
2000 Jahren, um neurologische Verletzungen bei Soldaten zu diagnostizieren.
Der Chiropraktiker Dr. George Goodheart hat dann in den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts die Zusammenhänge
zwischen Muskelreaktion, Stressor und Korrekturmethode (wieder-) entdeckt und die sog. „Applied Kinesiology“
entwickelt.
Diese basiert auf dem Konzept der Gesundheitstriade, das heisst, dass die „normotone“ Muskelreaktion durch
je einen strukturellen, chemischen und mentalen (emotionellen, psychischen) Bereich gestört sein kann, wobei
dann der entsprechend zu testende Muskel sich klinisch als schwach (hypoton) oder überspannt (hyperton)
erweist.
In einfachen Worten heisst das, dass die Kinesiologie den Menschen als Einheit von Körper, Geist
und Seele betrachtet.
Frank Chapman hatte bereits in den 20er Jahren die sog. neurolymphatischen Reflexpunkte entdeckt und
dass eine Massage dieser Punkte die Entgiftung der Lymphe anregt.
Terence Bennet erforschte in den 50er Jahren die neurovasculären Kontaktpunkte, bestimmte Punkte am
Kopf, die bei sanfter Berührung eine vermehrte Durchblutung des Gehirnareals hervorrufen.
Die Meridian-Organ-Beziehung war bereits aus der Traditionellen Chinesischen Medizin bekannt.
Goodheart nun stellte die Verbindung der einzelnen Punkte und Organe zu den entsprechenden Muskeln her.
Unabhängig voneinander kamen verschiedene Chiropraktiker zu ähnlichen Ergebnissen: wenn z.B. der Magen durch
Eiswasser gereizt wurde, schaltete in den meisten Fällen der Musculus Pectoralis Major Clavicularis ab, bei
gereizten Augen oder unangenehmen Geräuschen schaltete der „obere Trapezius“ ab.
Ab 1964 hielt George Goodheart Vorträge über dieses neu erworbene Wissen - eine Synthese aus Chiropraktik,
Akupressur, Ernährungswissenschaften und Bewegungslehre.
Dr. John Thie aus Kalifornien, ebenfalls Chiropraktiker, besuchte einen dieser Vorträge und entwickelte,
begeistert von diesen Erkenntnissen, innerhalb der nächsten Jahrzehnte das Touch-for-Health©-System.
Durch Streichen der Meridianverläufe, Halten von Anfangs- und Endpunkten des Meridians, andere mechanische
Korrekturmethoden oder durch best. Nahrungsmittel wird ein „abgeschalteter“ Muskel z.B. gestärkt und indirekt
wirkt sich diese Technik wiederum auch auf die geistig-emotionale Ebene aus.
Diese verschiedenen Ebenen werden dem zugrunde gelegten „kinesiologischen Modell“ oder „energetischen Modell“
nach über die Grenze zwischen grob- und feinstofflichem Körper verbunden.
Die energetische Ebene ist der biochemischen, stofflichen Ebene übergeordnet, egal wo angesetzt wird - alles
hat Wechselwirkung über diese Lebensenergie auf andere Ebenen. So können auch unterschiedliche Ansätze
letztendlich zum gleichen Ziel führen.
Über seine individuelle Organverbindung hinaus kann jeder Muskel für sich als Indikator oder Kommunikationsmittel
mit dem Körper, dem Unbewussten oder einer „weisen inneren Instanz“ des Menschen eingesetzt werden. Der Indikatormuskel
reagiert dann z.B. als Antwort des Körpers auf einen Reiz oder Stress ebenso wie auf geschlossene Fragen. So
können neben psychologischen Triggern oder Stressauslösern zum Beispiel auch Nahrungsmittel, Medikamente,
Schadstoffe, Testsätze mit Toxinen, Viren, Bakterien und Parasiten getestet werden. Es gibt aber auch
unterschwellige Reize, die nicht vom Bewusstsein registriert werden. (Solange es noch keine eindeutigen
wissenschaftlichen Erklärungen für diese Art von Reaktionen gibt, möchte ich mich dem allgemeinen Sprachgebrauch
anschliessen und sie „feinstofflich“ nennen.)
Mit Hilfe des Muskeltests jedenfalls können diese Stressoren identifiziert und „auf den Punkt“ gebracht werden.
Nach „Diagnose-Stellung“ (also worin genau eine Imbalance festzustellen ist), ist der Muskeltest ebenfalls
Feedback-Instrument zur Ermittlung der für den Klienten angemessensten Korrektur, einer Intervention oder
anstehenden Einsicht.
Eine KinesiologIn unterstützt je nach Anliegen Ihre KlientIn nicht nur bei unerwünschten Symptomen, sondern
auch bei der Formulierung „positiver“ Ziele und der Bewusstmachung von emotionalen, mentalen, körperlichen
oder spirituellen Blockaden oder „Stressoren“, die bisher die Erreichung dieses Ziels verhindert haben.
Ziel so einer kinesiologischen Sitzung ist es, schliesslich Bewegung in festgefahrene Emotionen, Denkweisen,
Glaubenssysteme und Verhaltensmuster zu bringen, um so die Selbstheilungskräfte der KlientIn Richtung Ziel- und
Gesunderhaltung zu mobilisieren.
Der kinesiologische Muskeltest hat den Vorteil, dass die KlientIn direkt an dem Geschehen beteiligt ist und bei
grösstmöglicher Transparenz Testergebnis und Korrektur selbst spürt und prüfen kann.
Voraussetzung ist, dass sie auf der bewussten und unbewussten Ebene einverstanden ist und von einer „Balance“
profitieren will.
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In einen Satz gebracht: Was Entdecker und Anwender unter Kinesiologie verstehen ist also ein Wechselspiel
zwischen Unterbewusstsein, Muskelsteuerung, einem System reflektorischer Behandlungspunkte, der Auswirkung
bestimmter, konkret festgelegter Bewegungsfolgen und Energiezentren für die Funktion von Koordination, Handeln,
Denken, Fühlen, Lernen und Bewusstsein.
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Meine Praxiserfahrung mit dem Muskeltest und die Systematiken der diversen von mir erlernten kinesiologischen
Systeme führten mich persönlich zu einer bestimmten Arbeitsstruktur:
Dazu gehören folgende Grundbausteine:
- Eine Testtechnik mit korrekter Berücksichtigung der Muskelphysiologie
- Eine übersichtliche, praxisgerechte und logisch aufgebaute Testsystematik
- Die Interaktion zwischen TesterIn und KlientIn über Bewusstseinsfelder
- In der psychotherapeutischen Begleitung oder im Coaching die Minimierung des Testanteils bei Konzentration
auf ein evtl. hinderliches Muster sowie Minimierung, Eleganz und Optimierung der Behandlungstechnik bei der
„Stressablösung“
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Die Kinesiologie hat sich seit ihrer Wiederentdeckung vor knapp 50 Jahren trotz Anfeindungen aus streng
naturwissenschaftlicher Sicht in fast unzählige Anwendungs-Zweige differenziert, ist in viele Berufsfelder
integriert, und ständig werden weitere Einsatzmöglichkeiten erschlossen und neue Elemente anderer
Therapierichtungen in die Kinesiologie integriert.

